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Mond-Tour: Krater, Meere und Gebirge

Vom Mare Crisium bis Aristarchus: eine Tour für viele Abende, sortiert nach dem Tag, an dem jedes Ziel am schönsten ist.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Zunehmender Mond im Teleskop mit Kratern am Terminator
Bild: Aman Srivastava 03, CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Der Mond ist zu groß für einen einzigen Abend. Diese Tour führt dich in 14 Etappen über die Mondoberfläche – sortiert nach dem Tag nach Neumond, an dem das jeweilige Ziel am Terminator am schönsten aussieht. Du brauchst ein Fernglas für die großen Meere und ein kleines Teleskop für die Krater. Die Daten der Mondphasen findest du im Mondkalender, Grundlagen unter Mondphasen beobachten.

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Orientierung im Teleskop

Mit bloßem Auge steht der Mond so am Himmel, wie du ihn kennst. Viele Teleskope zeigen ihn aber auf dem Kopf oder seitenverkehrt. Orientiere dich an den großen dunklen Meeren: Das runde Mare Crisium liegt immer am Rand, an dem die zunehmende Sichel zuerst erscheint.

Der zunehmende Halbmond im Teleskop
Der Halbmond um den 7. Tag: Am Terminator in der Mitte stehen Apenninen, Ptolemaeus und die Krater des Südens im Streiflicht.Bild: Astrobond, CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die Tour auf einen Blick

Nr. Ziel Art Größe Am schönsten (Tag nach Neumond)
1 Mare Crisium Meer 556 km 3 bis 4
2 Theophilus Krater 99 km 5 bis 6
3 Mare Tranquillitatis Meer 876 km 5 bis 6
4 Apollo-11-Landegebiet Landestelle – 6 bis 7
5 Montes Apenninus Gebirge 600 km lang 7 bis 8
6 Ptolemaeus, Alphonsus, Arzachel Kraterkette 154 / 111 / 97 km 7 bis 8
7 Rupes Recta Steilstufe 116 km lang 8 (und um Tag 22)
8 Plato Krater 101 km 8 bis 9
9 Tycho Krater 85 km 8 bis 9 (Strahlen: Vollmond)
10 Clavius Krater 231 km 8 bis 10
11 Mare Imbrium Meer 1146 km 8 bis 10
12 Kopernikus Krater 96 km 9 bis 10
13 Sinus Iridum Bucht 249 km 10 bis 11
14 Aristarchus Krater 40 km 11 bis 12

So sind die Tage berechnet

Der Terminator (Licht-Schatten-Grenze) wandert jeden Tag rund 12° Mondlänge weiter – einmal ganz herum in 29,5 Tagen. Aus der Lage jedes Ziels im IAU-Namensverzeichnis haben wir berechnet, wann der Terminator ungefähr darüber hinwegzieht. Am schönsten ist ein Ziel meist an diesem Tag und dem folgenden. Weil der Mond leicht schwankt (Libration) und die Phasen nicht exakt gleich lang sind, kann sich das um etwa einen Tag verschieben. Durchmesser und Lage stammen aus dem IAU/USGS-Gazetteer.

Etappe 1: Mare Crisium (Tag 3 bis 4)

Das «Meer der Gefahren» ist das erste große Ziel der jungen Sichel: ein scharf umrandetes, dunkles Oval nahe dem Mondrand, rund 556 km groß. Schon im Fernglas gut zu sehen. Weil es so nah am Rand liegt, wirkt es länglich verkürzt.

Etappe 2: Theophilus (Tag 5 bis 6)

Theophilus (99 km) ist einer der eindrucksvollsten Krater für kleine Teleskope: terrassierte Wände und ein mächtiger Zentralberg. Gleich daneben liegen die älteren Krater Cyrillus und Catharina – ein schönes Trio zum Vergleichen von jung und alt.

Etappe 3: Mare Tranquillitatis (Tag 5 bis 6)

Das «Meer der Ruhe» (876 km) ist eine der größten dunklen Flächen auf der uns zugewandten Seite. Im Fernglas ist es eine der markanten Flecken des «Mondgesichts». Am Rand findest du kleine Krater und schwache Bodenwellen, wenn das Licht flach einfällt.

Etappe 4: Das Apollo-11-Landegebiet (Tag 6 bis 7)

Im Südwesten des Mare Tranquillitatis landete am 20. Juli 1969 Apollo 11. Die Landestelle (Statio Tranquillitatis) liegt bei rund 0,7° nördlicher Breite und 23,5° östlicher Länge, also nahe dem Mondäquator. Etwa sechs Tage nach Neumond ist die Gegend voll beleuchtet. Mit einem Teleskop ab etwa 100 mm Öffnung und 75-facher Vergrößerung kannst du die Gegend finden.

Etappe 5: Montes Apenninus (Tag 7 bis 8)

Um den Halbmond zieht sich eine helle, gezackte Bergkette am Terminator entlang: die Apenninen, rund 600 km lang. Sie bilden einen Teil des Randes des Mare Imbrium. Bei flachem Licht werfen die Gipfel lange, spitze Schatten in die Ebene – einer der schönsten Anblicke im kleinen Teleskop.

Etappe 6: Ptolemaeus, Alphonsus und Arzachel (Tag 7 bis 8)

Fast in der Mondmitte liegt eine Kette aus drei großen Kratern: der flache, alte Ptolemaeus (154 km), Alphonsus (111 km) mit kleinem Zentralberg und Arzachel (97 km) mit deutlicheren Terrassen. Ein gutes Ziel, um bei steigender Vergrößerung immer mehr Kleinkrater zu entdecken.

Etappe 7: Rupes Recta (Tag 8 und um Tag 22)

Die «Gerade Wand» ist eine 116 km lange Steilstufe im Mare Nubium. Am 8. Tag wirft sie einen dunklen Schatten und erscheint als schwarzer Strich. Beim abnehmenden Mond, um Tag 22, fällt das Licht von der anderen Seite: Dann leuchtet die Stufe als heller Strich. Ein Ziel für 100-fach und mehr.

Etappe 8: Plato (Tag 8 bis 9)

Plato (101 km) fällt durch seinen glatten, sehr dunklen Boden auf – wie ein Loch am Nordrand des Mare Imbrium. Bei ruhiger Luft und hoher Vergrößerung kannst du auf dem Boden winzige Kraterchen suchen: ein guter Test für Optik und Seeing.

Etappe 9: Tycho (Tag 8 bis 9, Strahlen um Vollmond)

Tycho (85 km) liegt im zerkraterten Hochland des Südens. Am Terminator zeigt er Terrassen und einen Zentralberg. Seinen großen Auftritt hat er aber um Vollmond: Dann gehen helle Strahlen von ihm aus, die sich über einen großen Teil der Mondoberfläche ziehen – im Fernglas gut sichtbar.

Etappe 10: Clavius (Tag 8 bis 10)

Clavius ist mit 231 km einer der größten Krater der Vorderseite. Auf seinem Boden liegt eine geschwungene Reihe kleinerer Krater, die von groß nach klein abnimmt. Ein schönes Ziel bei 50- bis 100-fach.

Die Krater Clavius und Maginus, aufgenommen von der Raumsonde Lunar Orbiter 4
Clavius (unten) und Maginus, aufgenommen 1967 von der Raumsonde Lunar Orbiter 4. Den Bogen kleinerer Krater auf dem Boden von Clavius siehst du auch im kleinen Teleskop.Bild: Magere Hein, CC0, Quelle: Wikimedia Commons

Etappe 11: Mare Imbrium (Tag 8 bis 10)

Das «Regenmeer» ist mit 1146 km eines der größten Meere auf der Vorderseite. Im Fernglas ein großer, dunkler Fleck im Nordwesten des Mondes. An seinen Rändern liegen die Apenninen, die Alpen, Plato und Sinus Iridum – viele Etappen dieser Tour hängen an ihm.

Etappe 12: Kopernikus (Tag 9 bis 10)

Kopernikus (96 km) gilt vielen als «König der Mondkrater»: steile, terrassierte Wände, mehrere Zentralberge und ein ausgeprägtes Umfeld aus Auswurfmaterial. Bei 100-fach ein Höhepunkt jeder Mondnacht. Wie Tycho zeigt er um Vollmond helle Strahlen.

Etappe 13: Sinus Iridum (Tag 10 bis 11)

Die «Regenbogenbucht» (249 km) ist eine halbrunde Bucht am Nordwestrand des Mare Imbrium, eingefasst von einem Bergbogen. Wenn der Terminator gerade darüber hinweggezogen ist, leuchten die Berge am Rand hell, während die Bucht noch teilweise im Schatten liegt.

Etappe 14: Aristarchus (Tag 11 bis 12)

Zum Schluss ein kleiner, aber auffälliger Krater: Aristarchus (40 km) liegt im großen Oceanus Procellarum und ist ein sehr heller Fleck in der dunklen Ebene. Er bleibt auch bei hohem Sonnenstand gut sichtbar – sogar um Vollmond.

Mehr über die Entstehung der Krater und Meere und über die Apollo-Missionen findest du auf Kosmoskop.

Häufige Fragen

Kann ich die Apollo-Landestellen im Teleskop sehen?
Die Gegend ja, die Landefähren nicht. Kein Teleskop auf der Erde – auch nicht Hubble – kann die zurückgelassenen Geräte auflösen (Sky & Telescope). Erst Raumsonden in der Mondumlaufbahn haben sie fotografiert.
Welche Vergrößerung brauche ich für die Mond-Tour?
Für die Meere und großen Krater reichen Fernglas oder 30- bis 50-fach. Für Zentralberge, Rupes Recta oder den Boden von Plato nimm 100-fach und mehr – wenn die Luft ruhig ist.
Warum sieht mein Mond anders aus als die Karte?
Viele Teleskope zeigen das Bild auf dem Kopf oder seitenverkehrt. Drehe die Karte oder stelle die App auf die Ansicht deines Teleskops um.

Quellen (4)

  1. IAU/USGS Gazetteer of Planetary Nomenclature: Mond (Namen, Lage, Durchmesser) (abgerufen 14.10.2026)
  2. Sky & Telescope: How to See All Six Apollo Moon Landing Sites (abgerufen 14.10.2026)
  3. NASA Science: Moon Phases (abgerufen 14.10.2026)
  4. NASA Science: Moon Facts (abgerufen 14.10.2026)

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