Zum Inhalt springen
Schwesterseite: Kosmoskop – Was ist da draußen? →
Sternenscout

Kollimation: Spiegel justieren

Wenn die Spiegel nicht sauber ausgerichtet sind, verschenkst du Schärfe. Die Justage ist einfacher, als sie aussieht.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Cheshire-Okular zum Justieren eines Newton-Teleskops
Bild: M. Tewes, CC BY-SA 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Ein Newton- oder Dobson-Teleskop hat zwei Spiegel: den großen Hauptspiegel hinten im Tubus und den kleinen, schräg gestellten Fangspiegel vorne unter dem Okularauszug. Damit das Bild scharf wird, müssen beide genau zueinander ausgerichtet sein. Dieses Ausrichten heißt Kollimation oder Justage.

Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt

Warum justieren?

Ein Spiegelteleskop hat einen «Sweet Spot» – die Stelle im Bild, an der die Sterne am schärfsten sind. Ist das Teleskop gut justiert, liegt er in der Feldmitte. Nach einem Stoß oder durch Temperaturwechsel kann er wandern. Sterne in der Mitte wirken dann weich, Planeten zeigen weniger Details.

Laut Celestron führt schlechte Kollimation zu Abbildungsfehlern und verzerrten Bildern. Die gute Nachricht: Für die Justage brauchst du kein Fachwissen, nur etwas Geduld.

Was brauchst du?

  • ein Justierokular (Cheshire) oder eine einfache Justierkappe – ein Deckel mit kleinem Loch in der Mitte, der statt eines Okulars in den Auszug kommt,
  • einen passenden Schraubenzieher oder Inbusschlüssel für die Justierschrauben,
  • für die Kontrolle in der Nacht: eine Rotlicht-Lampe.

Die meisten Hauptspiegel haben eine kleine Mittenmarkierung (Ring oder Punkt) ab Werk. Sie ist das Ziel der Justage.

So sieht es durch das Justierokular aus

Blick durch das Justierokular Links dejustiert: Spiegelbild des Hauptspiegels und Mittenmarkierung liegen neben der Mitte. Rechts justiert: alle Kreise sind konzentrisch, die Markierung liegt genau in der Mitte. dejustiert justiert
Hell: Rand des Okularauszugs (außen) und Fangspiegel. Rot: Spiegelbild des Hauptspiegels und seine Mittenmarkierung. Gefüllt: Schatten des Fangspiegels, Punkt: Guckloch.Eigene schematische Skizze.

Gut justiert sieht alles konzentrisch aus: Der Fangspiegel sitzt mittig im Auszug, darin erscheint der ganze Hauptspiegel, und dessen Mittenmarkierung liegt genau unter dem Guckloch.

Schritt für Schritt

Die Reihenfolge ist immer: erst der Fangspiegel, dann der Hauptspiegel.

Vorbereitung

  1. Stell das Teleskop am Tag auf, richte es auf eine helle Wand oder den Himmel (nicht zur Sonne).
  2. Nimm das Okular heraus und dreh den Okularauszug ganz hinein.
  3. Steck das Justierokular oder die Justierkappe ein und schau durch das Guckloch.

Fangspiegel ausrichten

  1. Am Fangspiegel-Halter sitzen drei kleine Justierschrauben. Celestron rät: Die Mittelschraube nicht verstellen, sie hält den Spiegel in Position.
  2. Löse und zieh die drei Schrauben abwechselnd leicht an, bis du den ganzen Hauptspiegel mittig im Fangspiegel siehst. Dreh immer nur wenig und schau nach jeder Bewegung nach.
  3. Zieh die Schrauben danach gleichmäßig fest, ohne die Ausrichtung zu verändern.

Hauptspiegel ausrichten

  1. Hinten am Tubus sitzen meist sechs Schrauben: drei Justierschrauben und drei Feststellschrauben, die den Spiegel halten. Bei Celestron ist von jedem Paar die im Uhrzeigersinn vordere die Justierschraube. Andere Hersteller verwenden zum Teil Rändelschrauben – schau in die Anleitung.
  2. Löse zuerst die Feststellschrauben ein wenig, sonst kannst du die Justierschrauben nicht bewegen.
  3. Dreh an den Justierschrauben, bis die Mittenmarkierung des Hauptspiegels genau unter dem Guckloch liegt und alle Kreise konzentrisch erscheinen. Am einfachsten geht das zu zweit: Eine Person schaut, die andere dreht.
  4. Zieh die Feststellschrauben wieder an – sanft, damit der Spiegel nicht verspannt wird.
  5. Musstest du den Hauptspiegel stark verstellen, prüf den Fangspiegel noch einmal.

Die Kontrolle in der Nacht: der Sterntest

Das Justierokular bringt dich sehr nah ans Ziel. Ob es wirklich passt, zeigt ein Stern:

  1. Teleskop auskühlen lassen. Sky at Night empfiehlt mindestens eine Stunde. Solange Luft im Tubus wabert, siehst du Schlieren, die aussehen wie Fehler.
  2. Hellen Stern hoch am Himmel wählen. Bei einem Dobson ohne Nachführung geht auch der Polarstern, weil er kaum wandert.
  3. Hoch vergrößern. Sky at Night nennt rund das 1,6-Fache der Öffnung in Millimetern, also etwa 200× bis 300× bei größeren Teleskopen.
  4. Stern in die Feldmitte und leicht unscharf stellen. Du siehst eine helle Scheibe mit Ringen und einem dunklen Loch – dem Schatten des Fangspiegels.
  5. Auswerten: Sind die Ringe konzentrisch und sitzt das dunkle Loch genau in der Mitte, ist das Teleskop justiert. Sind die Ringe zu einer Seite gedrängt oder sitzt der Schatten neben der Mitte, stell den Hauptspiegel nach.
Sterntest mit unscharf gestelltem Stern Links dejustiert: Der dunkle Fangspiegel-Schatten liegt neben der Mitte, die Ringe sind einseitig gedrängt. Rechts justiert: Ringe und Schatten sind konzentrisch. dejustiert justiert
Unscharfer Stern beim Sterntest: links Schatten und Ringe verschoben, rechts konzentrisch.Eigene schematische Skizze.

Typische Fehler

  • Feststellschrauben vergessen: Justierschrauben lassen sich nicht drehen, oder der Spiegel kippt beim Transport wieder weg.
  • Zu viel auf einmal drehen: Kleine Bewegungen, dann schauen.
  • Bei schlechtem Seeing testen: Wenn die Sterne stark funkeln, verschiebe den Sterntest auf eine ruhigere Nacht.
  • Mittelschraube des Fangspiegels verstellen: Damit verschiebst du den Fangspiegel als Ganzes – das ist selten nötig.
  • Spiegel verspannen: Feststellschrauben und Spiegelklemmen nur sanft anziehen.

Häufige Fragen

Wie oft muss ich justieren?
Prüf die Justage, wenn das Teleskop transportiert oder angestoßen wurde, und ab und zu vor einer Nacht mit Planeten. Laut Sky at Night können auch Temperaturwechsel die Justage verändern. Ein kurzer Blick durchs Justierokular zeigt dir, ob du etwas tun musst.
Müssen auch Linsenteleskope justiert werden?
Die Anleitung hier gilt für Newton- und Dobson-Teleskope. Für Linsen-, Maksutov- und Schmidt-Cassegrain-Teleskope gilt die Anleitung des Herstellers.
Brauche ich einen Laser-Justierer?
Nein. Ein Justierokular (Cheshire) oder eine einfache Justierkappe reicht für die visuelle Beobachtung. Ein Laser-Justierer ist bequem, aber kein Muss.

Quellen (3)

  1. BBC Sky at Night Magazine: How to collimate a Newtonian telescope (abgerufen 14.10.2026)
  2. Celestron Knowledgebase: How do I collimate my Newtonian – aligning the mirrors in daylight? (abgerufen 14.10.2026)
  3. BBC Sky at Night Magazine: How to star test a telescope (abgerufen 14.10.2026)

Weiterlesen