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Sternenscout

Lichtverschmutzung

Künstliches Licht hellt den Himmel auf und schluckt schwache Sterne – so schätzt du deinen Himmel ein.

Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger

Nordwesteuropa bei Nacht, Satellitenaufnahme der künstlichen Beleuchtung
Bild: NASA Goddard Space Flight Center from Greenbelt, MD, USA, Public domain, Quelle: Wikimedia Commons

Über einer Stadt leuchtet der Nachthimmel orange-grau, über einem Bergdorf ist er fast schwarz. Der Unterschied kommt vom künstlichen Licht: Straßenlampen, Schaufenster, Sportplätze und beleuchtete Fassaden strahlen auch nach oben. Das Licht wird in der Luft gestreut und legt sich wie ein heller Schleier über den Himmel. Schwache Sterne, die Milchstraße und lichtschwache Nebel verschwinden darin.

Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt

Was bedeutet Lichtverschmutzung für dich?

Objekt Stadt dunkler Ort
Mond, Planeten, helle Sterne gut sichtbar gut sichtbar
Doppelsterne, helle Sternhaufen meist gut sichtbar sehr gut sichtbar
Milchstraße kaum oder nicht sichtbar deutlich sichtbar
Lichtschwache Nebel und Galaxien schwer bis unmöglich gut machbar

Die gute Nachricht: Mond und Planeten kannst du fast überall beobachten. Für alles Lichtschwache lohnt sich der Weg an einen dunkleren Ort.

Was ist die Bortle-Skala?

Der amerikanische Amateurastronom John E. Bortle hat 2001 in der Zeitschrift Sky & Telescope eine Skala mit neun Klassen vorgestellt. Sie beschreibt, was du an einem Ort mit bloßem Auge siehst – von Klasse 1 (hervorragender dunkler Himmel) bis Klasse 9 (Innenstadt). Die Grenzgröße (mag) gibt an, wie schwach ein Stern sein darf, damit du ihn noch erkennst; je größer die Zahl, desto dunkler der Himmel.

Klasse Beschreibung Grenzgröße ca. Milchstraße
1 hervorragender dunkler Himmel 7,6–8,0 so hell, dass sie Schatten werfen kann
3 ländlicher Himmel 6,6–7,0 im Sommer reich strukturiert
5 Vorstadthimmel 5,6–6,0 am Horizont unsichtbar, im Zenit blass
7 Übergang Vorstadt–Stadt 4,6–5,0 kaum oder gar nicht sichtbar
9 Innenstadt 4,0 und weniger unsichtbar, nur die hellsten Sterne

Die Werte sind Richtwerte: Wie viel du siehst, hängt auch von deinen Augen, der Dunkelanpassung und der Luftqualität ab. Wie du die Grenzgröße selbst bestimmst, steht unter Grenzgröße.

Lichtverschmutzungskarten lesen

Die Karte auf lightpollutionmap.info zeigt mehrere Ebenen:

  • VIIRS: Satellitenmessungen der nächtlichen Beleuchtung, als Jahreswerte und als Trend. Sie zeigen, wo Licht abgestrahlt wird.
  • World Atlas 2015: ein Modell der künstlichen Himmelshelligkeit. Es zeigt, wie stark der Himmel an einem Ort aufgehellt ist – auch weit entfernt von den Lichtquellen.
  • SQM-Messungen: Messpunkte von «Sky Quality Metern», kleinen Geräten, die die Himmelshelligkeit messen.

Für die Wahl eines Beobachtungsplatzes ist der World Atlas meist am aussagekräftigsten. Dunkle Farben (Schwarz, Blau, Grün) sind gut, Gelb, Rot und Weiß bedeuten stark aufgehellten Himmel.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Das GFZ Helmholtz-Zentrum Potsdam hat mit Satellitendaten die Außenbeleuchtung der Bundesländer verglichen: Zwischen 2012 und 2017 wurden die Nächte in fast allen Ländern heller, Thüringen war die Ausnahme. Für den Rückgang in Thüringen vermuten die Forscher unter anderem, dass der Satellit das blaue Licht weißer LED-Lampen nicht erfasst – die Messung kann also täuschen.

Auch europaweit ist die Lage angespannt: Eine Studie im Fachjournal Science Advances (2016) fand, dass die Milchstraße für rund 60 Prozent der Europäerinnen und Europäer nicht mehr sichtbar ist.

Es gibt aber auch Lichtblicke. In Deutschland wurden mehrere Sternenparks, Sterneninseln und eine Sternenstadt von DarkSky International anerkannt, etwa der Sternenpark Westhavelland und die Rhön – eine Liste steht unter Dunkle Orte in Deutschland. Die Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde setzt sich seit Jahren für gutes Licht und den Schutz der Nacht ein und bietet Informationen für Private und Kommunen.

Häufige Fragen

Hilft ein Filter gegen Lichtverschmutzung?
Teilweise. Spezielle Nebelfilter lassen vor allem das Licht bestimmter Gasnebel durch und dunkeln den Hintergrund ab. Bei Sternhaufen und Galaxien bringen sie wenig. Ein dunklerer Ort hilft immer mehr als jeder Filter.
Welche Bortle-Klasse habe ich zu Hause?
Schau auf einer Lichtverschmutzungskarte nach und prüfe es draußen: Siehst du die Milchstraße im Sommer gut, bist du eher bei Klasse 4 oder dunkler; siehst du sie gar nicht, eher bei Klasse 7 oder heller.
Was kann ich selbst gegen Lichtverschmutzung tun?
Außenlampen nur dort und dann einschalten, wo und wann sie nötig sind, nach unten abschirmen und warmweißes Licht wählen. Die Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde gibt dazu Tipps für Private und Kommunen.

Quellen (6)

  1. GFZ Helmholtz-Zentrum Potsdam: German nights get brighter – but not everywhere (abgerufen 15.10.2026)
  2. Falchi u. a.: The new world atlas of artificial night sky brightness (Science Advances, 2016) (abgerufen 15.10.2026)
  3. Dark Sky – Initiative gegen Lichtverschmutzung (Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde): Tipps (abgerufen 15.10.2026)
  4. Vereinigung der Sternfreunde (VdS): Fachgruppe Dark Sky (abgerufen 15.10.2026)
  5. Light pollution map (lightpollutionmap.info) (abgerufen 15.10.2026)
  6. Wikipedia: Bortle scale (ergänzend; nach J. E. Bortle, Sky & Telescope, Februar 2001) (abgerufen 14.10.2026)

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