Mit dem Fernglas
Ein Fernglas ist das unterschätzteste Astronomie-Instrument – leicht, schnell und erstaunlich ergiebig.
Zuletzt aktualisiert: 15.10.2026 · Von Michael Plangger · So wählen wir aus

Viele erfahrene Beobachter raten: Kauf zuerst ein Fernglas – oder nimm das, das schon im Schrank liegt. Es zeigt dir mehr Sterne, als du mit bloßem Auge siehst, ist in Sekunden einsatzbereit und hilft dir, dich am Himmel zurechtzufinden. Und wenn später ein Teleskop dazukommt, bleibt das Fernglas trotzdem im Einsatz.
Mehr erfahren – tippe auf einen Abschnitt
Was siehst du mit dem Fernglas?
Der Mond
Der Mond ist das ideale erste Ziel. Ein Fernglas zeigt größere Krater, Gebirge und die dunklen «Meere». Am schönsten ist er nicht bei Vollmond, sondern um Halbmond herum: Dann werfen Krater und Berge entlang der Licht-Schatten-Grenze lange Schatten. EarthSky empfiehlt zudem, den Mond schon in der Dämmerung anzuschauen – dann blendet er weniger.
Jupiter und seine Monde
Halte das Fernglas ruhig auf Jupiter, und du siehst neben dem hellen Scheibchen bis zu vier kleine Lichtpunkte: die großen Monde, die schon Galilei entdeckt hat. Von Abend zu Abend verändern sie ihre Stellung. Fehlt einer, steht er gerade vor oder hinter dem Planeten.
Saturn
Mit einem guten Fernglas wirkt Saturn nicht ganz rund, sondern leicht länglich. Die Ringe als solche erkennst du erst im Teleskop.
Sternhaufen
Hier spielt das Fernglas seine Stärke aus: das große Gesichtsfeld. Es zeigt ganze Sternhaufen auf einmal.
- Plejaden: Mit bloßem Auge siehst du etwa sechs Sterne, im Fernglas viele mehr.
- Hyaden und Krippe: große, lockere Haufen, die in einem Teleskop gar nicht ganz ins Bild passen.
- Doppelhaufen im Perseus: zwei Haufen nebeneinander im selben Blickfeld.
Nebel und Galaxien
- Andromedagalaxie: rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt, im Fernglas deutlicher als mit bloßem Auge. An einem dunklen Ort sind auch zwei kleinere Begleitgalaxien erkennbar.
- Orionnebel: ein grauer, leuchtender Fleck im «Schwert» des Orion.
- Die Whirlpool-Galaxie ist mit einem 10×50-Fernglas unter ländlichem Himmel als schwaches, diffuses Leuchten zu erwischen – eine Herausforderung für geübte Augen.
Die Milchstraße
Schwenkst du das Fernglas langsam durch die Milchstraße, löst sich das milchige Band in unzählige Einzelsterne auf. Im Sommer, an einem dunklen Ort, gehört das zum Schönsten, was der Himmel bietet.
Ehrliche Grenzen
- Nebel und Galaxien bleiben grau. Ihr Licht reicht nicht, um die farbempfindlichen Zapfen im Auge anzuregen.
- Planeten bleiben klein. Wolkenbänder auf Jupiter oder Details auf Mars brauchen ein Teleskop.
- Zittern begrenzt die Vergrößerung. Je stärker die Vergrößerung, desto unruhiger ist das Bild in der Hand.
Wie holst du mehr heraus?
- Ruhig halten: Ellbogen auf eine Mauer oder ein Autodach stützen, an einen Baum lehnen oder im Liegestuhl liegen.
- Stativ: Viele Ferngläser lassen sich mit einem Adapter auf ein Fotostativ setzen. Bei größeren Modellen empfiehlt EarthSky ein Stativ ausdrücklich.
- Scharf stellen: Zuerst an einem hellen Stern mit dem Mitteltrieb scharf stellen, dann am Dioptrienausgleich das zweite Auge anpassen.
- Systematisch suchen: Von einem bekannten Stern aus in kleinen Schritten zum Ziel wandern (Star-Hopping).
Häufige Fragen
Welches Fernglas eignet sich für die Astronomie?
Warum zittert das Bild so stark?
Sehe ich im Fernglas die Saturnringe?
Quellen (4)
- EarthSky: Top tips for using ordinary binoculars for stargazing (abgerufen 14.10.2026)
- Royal Museums Greenwich: The Solar System through your own telescope (abgerufen 14.10.2026)
- Astronomy Now: Don't miss out on Messier 51, the wonderful Whirlpool Galaxy (2022) (abgerufen 14.10.2026)
- Astronomy Magazine: Am I seeing the real thing? (M. E. Bakich, 2004) (abgerufen 14.10.2026)
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